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Nichts ist so beständig wie der Wandel
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das Haus an der Moschee (Gebundene Ausgabe) Kader Abdolah hat mit seinem Roman einen Versuch unternommen, Jahre und Jahrzehnte einer Familiengeschichte im von politischen Wirren gebeutelten Iran darzustellen. Dabei bemüht sich der Autor nur allzu deutlich, seinen Protagonisten, allen voran Agha Djan, Teppichhändler, Respektsperson und Herr des Hauses, eine intime, emotionale Note zu verleihen, um dem Leser Hass, Liebe, Respekt und letzten Endes politische Verantwortung vorzustellen, die eben jener Leser im Kontext einer differierenden Gesellschaft begreifen soll.
Dabei räumt der Autor, wohl sein größter Verdienst, mit manch unliebsamen Vorurteilen und Lücken auf. Er erklärt mit wundersamen, manchmal fremden, jedoch stets famos lesbaren Worten eine Familiengeschichte und erzählt, wie die einzelnen Mitglieder vor dem Hintergrund der Anti-Schah-Revolution in einen Strudel aus Verrat, Gewalt aber auch Warmherzigkeit und Loyalität geraten und jeder einzelne eben sein ganz persönliches Schicksal erleidet. Die Haus an der Moschee fungiert dabei zunächst als Ort der Ruhe und Kraft. Der darin befindliche Mikrokosmos erfährt jedoch ein Ungleichgewicht als die politischen Strömungen und die ausführenden Kräfte auch vor den Türen und Toren jenes Hauses nicht haltmachen. Agha Djan ist zum Handeln gezwungen......und bleibt, so meine Kritik, zunächst seltsam unbeteiligt. Erst als Familienmitglieder unmittelbar mit dem Tod bedroht werden, handelt er und bleibt im folgenden gesichts-und konturlos zurück. Zunächst als Fels in der Brandung wird er von dem politischen und religiösen Druck umgeworfen und unterwirft sich einer ohnmächtigen Neutralität, die m.E. übertrieben wurde. Er bleibt mehr Beobachter, denn Handelnder.
Ähnlich verhält es sich mit manch anderen Figuren: auch sie werden einer Radikalkur unterzogen, so dass manche Veränderungen innerhalb ganzer Lebensabschnitte einfach ins das Buch geworfen werden, ohne dass eine hinreichende Erklärung dafür geliefert wird.
Abdolahs Schriebart dagegen ist erfrischend anders. Mit teilweise wenigen Worten schafft er eine ungemein faszinierende Atmosphäre und gibt somit zunächst einen Blick auf das Alltagsleben einer iranischen Großfamilie frei, die alsbald jedoch zerrissen wird. Dabei erklärt der Autor, über die bloße politische Geschichte Irans hinaus, warum manches Denken und Handeln bei einem Iraner in jener Zeit welcher Intention unterlag und schafft damit einen Freiraum, sich über das bloße Faktenwissen hinaus ein Bild iranischer "Gesellschaftsgeschichte" zu machen. Und somit hat Abdolah ein Buch geschaffen, welches den Wandel in einer anderen Gesellschaft aufzeigt und sich somit, jedoch mit kleinen Mängeln versehen, quasi selbst erklärt.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 2. Juli 2008 |