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Unfaßbar, sperrig, wüst - und genial!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: You...V4 (Audio CD) Oftmals wundert man sich bei Live-Alben, weshalb ein Label es für notwendig befunden hat, das Material zu veröffentlichen: Allzu oft finden sich die Songs genau so auf dem Album, wie man sie schon von den Studio-Produktionen kennt. Aber es gibt auch Ausnahmen - und da gehört die „You Can't Do That On Stage Anymore"-Reihe von Frank Zappa definitiv dazu. Er selbst hat diese sechsteilige Reihe noch zusammengestellt - wobei seine Zusammenstellung nicht der zeitlichen Chronologie folgt. Es werden Live-Aufnahmen aus seiner ganzen Karierre hintereinandergereiht - stellenweise werden sogar verschiedene Aufnahmen des gleichen Songs zusammengeschnitten. (Was, sei hinzugefügt, aber überhaupt nicht stört.)
Bei dieser Auswahl "Vol. 4" finden sich wieder so illustre Bandmitglieder wie George Duke, Steve Vai, Captain Beafheart und etliche andere. Und auch, wenn man Zappa für seine Arroganz hassen möchte: Er hat wohl leider recht mit dem Titel der Reihe. Für mich als professionellen Musiker ist es nicht nachvollziehbar, wie seine Musiker dieses Material auf der Bühne bewältigen konnten (zudem noch auswendig): So unvorhersehbar sind viele Wendungen, so kompliziert sind viele Phrasen, so komplex manche Time- und Taktwechsel. Man sitzt vor den Lautsprechern und kann sich nur fragen „Wie haben die Schweine das in ihre Gehirne bekommen??" Und gleichzeitig freut man sich über das extrem hohe Niveau - und über das Vergnügen, das diese musikalischen Spielereien bereiten.
Insofern ist diese Plattenreihe für Musiker quasi unverzichtbar - wie sieht es mit den „Normalbürgern" aus?
Keinesfalls sollte jemand zu CDs der Reihe greifen, für den Frank Zappa bislang nur ein Name war, allenfalls in Verbindung mit „Bobby Brown". Jener würde die knapp 17 Euro schmerzlich bereuen - und die CD nach den ersten fünf Minuten für immer aus dem CD-Spieler verbannen. Denn auch Songs, die auf den Studioalben noch halbwegs „konventionell" waren, wurden live derart aufgemotzt, daß sie extrem anstrengend sein. Außerdem sind minutenlange Gitarrensoli (wie beispielsweise in „Stevie's Spanking") für den Otto-Normalhörer auch nicht gerade das A und O. Nein, Menschen ohne Zappa-Kenntnis wären mit seinem Best-Of-Album und hernach „Sheik Yerbouty" besser beraten - und es ist zu hoffen, daß sie dann genügend Feuer gefangen haben, um auch seine anstrengenden Werke (in diesem Fall ein durchaus gerechtfertigter Begriff, wie ich finde) kennenlernen zu wollen.
Für Hörer, die Zappa bereits schätzen, führt an der CD-Reihe jedoch kein Weg vorbei - da es sich um sehr gelungene Interpretationen handelt und alle üblichen Livesünden (schlechter Sound, zu lautes Publikum etc.) konsequent vermieden werden.
Zu der eingangs aufgestellten Behauptung: Natürlich weiß ich, weshalb Live-Alben in der Regel auf den Markt kommen. Man schlachte eine Kuh solange aus, bis nichts mehr drin ist, was Profit abwirft. Diesen Vorwurf kann man dieser Reihe nicht machen - dafür ist das Songmaterial viel zu sperrig, als daß man das große Geld machen könnte.
Für die einen, die das Glück hatten, ihn live zu erleben, wohl die Möglichkeit, ein gigantisches Konzerterlebnis besser in Erinnerung zu behalten - für die anderen (wie auch den Autor) eine gigantische Hörerfahrung, die sehr viel Neid aufkommen läßt, weil man für manche Dinge einfach zu spät geboren wurde.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. August 2005 | | |
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