Tantra Yoga. Der Weg zur höchsten Erleuchtung


 
Männlich Lehre des Tantra
• • • • •   (bewertet mit 3 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Tantra Yoga. Der Weg zur höchsten Erleuchtung (Gebundene Ausgabe) Ich las von Daniel Odier 3 Bücher (alle in Englisch oder auf Französisch). Von seinem ersten Buch bezüglich Tantra ' 'Tantra - Eintauchen in die absolute Liebe' - war ich begeistert. Es ist ein ehrlich authentischer Bericht über seinen eigenen Weg, lebensnah.
Beim Lesen seines Buches 'Tantra Yoga' kommt mir vor, dass er sich wieder mehr in einen westlichen Intellektualismus über Tantra begibt, auch von (männlichen europäischen) 'Indologen' ("Logik") schreibt, die bekanntlich etwa Mitte des letzten Jhrh. anfingen, Indien zu bereisen und die dieses Land und sein Leben vom Denkmuster des Westens beschrieben haben, einem Denkmuster, dem die Philosophie des Dualismus zugrunde liegt. Indien, und ganz besonders Tantra, ist jedoch ganzheitlich von der Philosophie der Einheit von allem im Universum getragen.
Zweifelsohne ist der Dialog zwischen Bhaïrava und Bhaïravi, der der fundamentale Text des Vijñânabhaïrava Tantra des Shivaismus von Kaschmir ist und der den maßgeblichen Inhalt dieses Buches formt, ein profounder tantrischer Text, den ich in meinem Leben nicht missen möchte.
Daniel Odier hat im 3. Teil des Buches diesen 'tantrischen' Dialog in jener Klassifizierung geschrieben, die er von der indischen Yogini Lalita Devi übernommen hat. Die Dialogteile ergänzte er durch seine persönlichen tantrischen Erfahrungen mit der Yogini. Lalita Devi hat ihrerseits Tantra mit einem männlichen Meister gelernt. Das Lehren des Tantra geschieht hier also durch Männer. Odier schreibt (und spricht) ständig von Tantrismus. Indische Yoginis des letzten Jhrh. werten sich dagegen, da Tantra ihrer Erfahrung nach kein System ist und sein kann. Es ist die Erfahrung kompletter Einheit - und diese kann völlig unterschiedlich von einem Menschen zum anderen sein.

Ursprünglich haben Frauen in Tibet und Indien Tantra gelehrt. Der weibliche Körper gibt von der Biologie her ' im Vergleich zum Mann ' leichter die Möglichkeit, Universalität in Einheit zu empfinden, da in ihm andere Menschen werden und er einen Teil eines anderen Menschen in sich aufnehmen kann.
Immer wieder kam mir beim Lesen, dass Daniel Odier einen westlichen Intellektualismus einflechtet, und die Einheitserfahrungen beizeiten dementsprechend kopfmäßig überhöht. Was mir in diesem Buch völlig fehlt ist das von der Partnerin/Yogini unabhängige Fühlen einer Einheit mit allem, was existiert, dem Universum eben - der Ausdruck eines bewussten Seins als Mikrokosmos im Makrokosmos. Die Begegnung zweier Mikrokosmen - das ist das wesentlich Tantrische.
Ich räume allerdings durch eigene Erfahrung ein, dass es schwierig ist, von der Erfahrung kompletter Einheit in der westlichen Welt und in einer westlichen Sprache, die ebenso vom dualen Lebensverständnis her beherrscht ist, Aussage zu machen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. Juni 2011
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