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Grandioses Spektakel auf allerhöchstem Niveau
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Wagner: Götterdämmerung (Gesamtaufnahme) (Audio CD) Soltis Einspielungen der vier Teile von Wagners RING nur als „Opern-Aufnahmen" zu bezeichnen wäre fast schon ignorant. Der Ungar, die Wiener Philharmoniker und ihr Produzent John Culshaw haben vielmehr eine Art grandioses Hörspiel in vier Teilen inszeniert, in dem sie die technischen Möglichkeiten einer Stereo-Opern-Aufnahme voll ausreizten: z.B. wurden die Sänger auf einer Art Schachbrett platziert, um sie vorne, hinten, rechts oder links singen zu lassen, was die Hör-Dramatik wesentlich steigerte. Sound-Effekte, wie sie auf einer Opernbühne undenkbar wären, und Instrumente, die sonst nicht zum Einsatz kämen (echte Ambosse im RHEINGOLD, echte Stierhörner hier in der GÖTTERDÄMMERUNG) machen das Drama fast plastisch greifbar. Die GÖTTERDÄMMERUNG, der Abschluß der Tetralogie, stellt den Höhepunkt der RING-Einspielung dar. Nicht nur, weil sie die längste aller RING-Teile ist und hier mehr als genug Raum für ein akustisches Spektakel geboten wird: besagte Stierhörner bei Hagens Mannenruf (ein Effekt von solch archaischer Wucht, daß mir der Atem wegblieb!), die fahle „Traum-Stimme" Alberichs bei der Wacht am Rhein, die technisch verfremdete (auf Bariton verdunkelte) Stimme Siegfrieds beim Brünnhilden-Raub oder, als Höhepunkt, das laut polternd einstürzende Walhall beim großen Finale. Für sich genommen sind diese Effekte zwar ganz nett, wären bei einer mittelmäßigen Einspielung jedoch nichts weiter als Kosmetik. Das, was Solti, seine Wiener Philharmoniker und sein Sänger-Ensemble hier bieten, ist eine grandiose Leistung, die wohl ewigen Referenz-Status haben wird. Solti war ein Dirigent mit Gespür für dramatische Effekte, das ist ja allgemeinhin bekannt. So wie er hat keiner nach der Nornen-Szene die Sonne zu Siegfrieds Rheinfahrt aufgehen lassen, und der Trauermarsch ist in keiner anderen Einspielung so wuchtig-tragisch geraten, ganz zu schweigen vom großen Finale, in der er seine ganze Meisterschaft zeigt, wenn er das eben noch völlig entfesselte Orchester in das zarteste und herzzerreißendste „Sieglinden"-Motiv münden läßt. Das Sänger-Ensemble ist bis in die kleinste Rolle auf allerhöchstem Niveau besetzt (ich weiß, beim RING gibt es keine „kleinen" Rollen...!), angeführt von der überirdisch machtvollen Birgit Nilsson als Brünnhilde, die sie in den vorhergehenden zwei Teilen auch schon war, und Wolfgang Windgassen als Siegfried, einer jungen und schlanken Heldentenor-Stimme. Eigentlicher „Star" dieser Einspielung ist Gottlob Frick als Hagen. Sein Baß ist schwarz wie die Nacht, und im Vergleich zur WALKÜRE, wo er einen eher stoischen Hunding singt, zeichnet er Hagen in seiner ganzen Finsterkeit wie kein anderer. Bei der berühmten „Wacht am Rhein"-Szene, wo ihm im Halbschlaf sein Vater Alberich erscheint, ist seine Stimme so fahl und tief wie ein Grab, um beim Mannenruf mit dröhnender Vehemenz zu erschüttern. Christa Ludwig als Waltraute ist grandios und dramatisch, und die Rheintöchter mit Lucia Popp und einer erstaunlich jungen und lyrischen Gwyneth Jones zu Beginn ihrer Karriere sind eine echte Überraschung. Fazit: diese Aufnahme ist ein würdiger Abschluß einer grandiosen Gesamt-Einspielung. Etwas Besseres gibt es nicht auf dem Markt, und es ist sehr unwahrscheinlich, daß die Qualität dieser Aufnahme je wieder erreicht wird!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. November 2003 |