Yoga-Anatomie: Ihr Begleiter durch die Asanas, Bewegungen und Atemtechniken


 
Yoga anatomisch gesehen
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Die Philosophie des Hatha-Yogi ist die Anatomie. Zumindest gehört es zu dieser Yogatradition, den eigenen Körper so tief zu durchdringen, dass sich darin das Geheimnis des großen Ganzen enthüllt. Deshalb schlägt jeder engagiert Übende irgendwann einmal in einem Buch wie Yoga Anatomie von Leslie Kaminoff nach, um sich seine Erfahrungen zumindest technologisch erklären zu können.

Der Amerikaner Kaminoff ist der internationalen Yogaszene sowohl als Journalist durch sein Weblog e-Sutra als auch als Yoga- und Anatomielehrer bekannt. Der Hauptgrund, sein Yoga Anatomie-Buch zu kaufen, sind sicherlich die graphischen Darstellungen der wichtigsten Yogahaltungen. Darin sind alle Muskeln eingezeichnet, die dabei jeweils zum Einsatz kommen oder gedehnt werden. Der Autor erläutert diese Bilder präzise und ohne weitschweifige Ausführungen. Trotzdem geht die Informationsfülle zu jeder Haltung weit über das hinaus, was in einer modernen, dynamischen Yogaklasse vermittelbar ist. Im Abschnitt Hindernisse wird klar, welche verkürzten oder unterentwickelten Muskelgruppen verantwortlich sein könnten, wenn die eigene Ausführung nicht perfekt aussieht. Und bei Übungen wie beispielsweise dem Mula Bandha kann ein Lehrer nur unzureichend das Wesentliche am eigenen Körper vorführen. Anhand der Zeichnung dagegen versteht man, welche Muskeln kontrahieren sollen. In diesem Fall beispielsweise seien es die inneren Schichten des Beckenbodens und nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen, die Schließmuskeln. Denn die seien der Abwärtsbewegung des Apana zugeordnet. Apana ist ein wesentliches Element in Kaminoffs System. Im Zentrum seines Ansatzes stehen die Wirbelsäule und die Atmung. Deren Aufbau und Arbeitsweise sind ausführlich beschrieben und bebildert. Die Atmung wird zum Sinnbild vieler Prozesse im Körper, die Kaminoff in Gegensatzpaaren absteckt: Auf der Hand liegen Prana, das Aneignen, und Apana, das Weggeben. Weitere gegenläufige Grundprinzipien der Körperfunktionen sind Sukha (das freie Wirken eines guten Körperraum) und Dukha (das behindernde Wirken eines leidenden, schlechten Körperraums), Sthira (Stabilisieren) und Sukha (Beweglichkeit) sowie Brahmana (Hitze erzeugen) und Langhana (Abkühlen). Die Lektüre erlaubt es, sich intensiv mit Details zu beschäftigen, für die in der Praxis oft die Zeit fehlt. Dafür muss man sich allerdings auch etwas in die Fachsprache einlesen. Das Glossar im Anhang erklärt Begriffe wie Eversion und Coccygeus. Mögen sie zu innerem Frieden führen!
© Till Schröder, yogaservice.de
Eine Rezension von Yogaservice Till Schröder > Berlin
vom 10. Oktober 2009
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